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Productions
Pianolab 2015: Inner Time Spaces

Videos von der Première mit Jan Bang, Samuel Rohrer, Harry Tavitian, Dante Boon, Bimhuis, Amsterdam 2013

 

 

Armenisch/Anatolische Quellen und die Musik von Paul Motian, Tigran Mansurian und Komitas Vardaped

 

Vahé Hovanesian (ARM) - duduk
Tom Arthurs (GB/D) - trumpet
Christian Thomé (D)  - drums
Isambard Khroustaliov (GB) electronics
Stevko Busch (D/NL) - piano
On music by Paul Motian, Komitas Vardapet, own work

 

Keiko Shichijo (JP/NL) - solo piano
work by Komitas Vardapet, Tigran Mansurian

oder

 

Dante Boon (NL) - solo piano

work by Komitas Vardapet, Anastassis Philippakopoulos

 

Konzept: Henning Bolte, Stevko Busch

 

 

"Stevko Busch führt Musik aus Ost und West perfekt zusammen " 

York Schaffer im Weser Kurier 15.2.2015 (zum Artikel...)

 

 

Musikalisches Gedächtnis...

Artikel von St.B. 

 

 

Das aktuelle Programm der Galerie der Töne des Pianisten Stevko Busch nimmt die einzigartige Spielweise und Klangwelt des amerikanischen Schlagzeugers Paul Motian als Ausgangspunkt. Motion, ein phänomenaler Hörer mit einem tiefen musikalischen Gedächtnis, schuf mit seinem Spiel in der ihm eigenen Weise offene Räume, in denen tiefere Lagen musikalischen Erinnerns angesprochen und freigelegt wurden, wodurch die zugrunde liegenden Quellen in einer neu erlebten Form neue Gestalt und Klarheit erhalten konnten. Darin flossen westliche, afro-amerikanische und östliche Quellen auf einzigartige Weise zusammen.

 

Von diesem Orientierungspunkt ausgehend, erforschen die Musiker Schnittpunkte von ost-westlichen Klängen, interpretieren und improvisieren sie mit östlichen und westlichen Färbungen, Phrasierungen und Timing. Durch die Möglichkeiten der Verformung, Wiederholung und Verschiebung im Raum erhält die Live-elektronik von Isambard Khroustaliov eine zentrale Bedeutung im Hinblick auf den Umgang mit dem musikalischen Gedächtnis.

 

Im Programm erscheinen zwei Pianisten in verschiedenen Rollen. Die Japanische Pianistin Keiko Shichijo spielt Werke von armenischen Komponisten verschiedener Epochen, und Stevko Busch verbindet westliche und östliche Spielweisen in seinem  Ensemble. In einigen Konzerten spielt der Niederländische Pianist Dante Boon den komponierten Teil mit Musik von Komitas und  Philippakopoulos. Vahé Hovanesian bringt darin mit der traditionellen armenischen Oboe, der Duduk, die östliche Farbe der Blasinstrumente ein, und der aufstrebende Trompeter Tom Arthurs die westliche. Der Schlagzeuger Christian Thomé verbindet mit seinem filigranen und präzisen Spiel gemeinsam mit dem Elektroniker die verschiedenartigen Klangwelten.

 

Der Komponist Komitas Vardapet hat - bereits 30 Jahre vor Béla Bartók in Ungarn - die traditionelle Musik von Armenien zusammengetragen und in Kompositionen für Klavier, Orchester oder Chor zu Papier gebracht. Die japanische Pianistin Keiko Shichijo erweckt in ihrer Interpretation von Komitas‘ „Six Dances for Piano“ die traditionellen Spieltechniken, die der Komponist in diesem Stück verarbeitet hat, zu neuem Leben.

 

„Das Instrument brachte unter ihren Händen eine Reinheit der Klänge hervor, die wirklich atemberaubend ist. Ihre ganze Erscheinung atmet Klarheit, wie auch die Intensität während des Spielens.“ (Publikumsreaktion über Keiko Shichijo)

 

 

 

 

 

 

Paul Motian - Musikalisches Gedächtnis

von Stevko Busch, mit Dank an Henning Bolte

 

Paul Motion war ein amerikanischer Schlagzeuger mit armenischen Vorfahren, der 2011 gestorben ist. 

 

Im Jazz ist die einflussreiche Rolle Paul Motians als Spieler und Bandleiter anerkannt, als Komponist wurde er dagegen bislang unterschätzt. Seine Werke wurden von Musikern bisher nur marginal aufgeführt, was sich jedoch in letzter Zeit ändert.  Branford Marsalis war einer der ersten, der Stücke von Paul Motian aufgeführt hat, ohne dass der Schlagzeuger selbst auch mitspielte (CD: Requiem, 2007, Titel Trieste von Paul Motian)

 

Seine Kompositionen sind zwar bekannt, werden jedoch von Musikern nicht schnell aufgegriffen. Motians Stücke strahlen eine tiefverwurzelte Ruhe und Magie aus. Nähere Untersuchungen haben gezeigt, dass seine Werke wichtige gemeinsame Eigenschaften mit armenischen Melodien haben. Ob er diese Melodien bereits in jungen Jahren gehört und später wiederentdeckt hat, oder dass er diese Musik in seinem Gedächtnis hatte und unbewusst neu geschaffen hat, muss offen bleiben. Armenische Hörer sagen beispielsweise, dass in den Stücken „Mode IV“ und „Etudes“ bekannte armenische Melodien wiederzuerkennen sind. Offensichtlich hatte Paul Motian Eigenschaften dieser Musik in seinem tiefen Gedächtnis gespeichert, so dass diese in seinem Schaffensprozess derart durchscheinen, dass mit den Quellen vertraute Hörer sofort eine Verbindung erkennen.

 

Ich bin daran interessiert, wie die Diversität der aufgeführten Musik in dieser Produktion als Ganzes wirken wird. Ich möchte vermitteln, dass es eine Vielfalt und Vielseitigkeit gibt - nicht dass das eine wichtiger ist als das andere, sondern gerade als Facetten und Spielarten der „One World Music“ zu sehen ist. Es lassen sich zwar einzelne Musikkulturen abgrenzen, doch diese Grenzen sind stets fließend und flexibel und in einem ständigen Wandel begriffen.

 

 

Musikalisches Gedächtnis

In jedem Schaffensprozess schöpft man aus den Quellen, die durch die Vergangenheit gespeist sind, so wie man bei jedem Hörerlebnis mit diesen Quellen in Verbindung tritt. Die kann sowohl bewusst als auch unbewusst geschehen. Völlig neue musikalische Ideen gibt es wahrscheinlich nicht. Was durchaus existieren kann - im Augenblick des Schaffens oder des Hörens - ist eine völlig neue Kombination musikalischer Zutaten (Tonmaterial, Instrumente, Stimmen, Spielort, Hörhaltung beziehungsweise Funktion der Musik). Ob jemand etwas Neues oder etwas Vertrautes hört, hängt also in starkem Maße vom (individuellen) musikalischen Gedächtnis ab, und im Falle des Komponisten oder Improvisators von Neugier auf unbekannte Kombinationen, oder entgegengesetzt gerade dem Bedürfnis, das Vertraute(neu) zu interpretieren, mit oder auch ohne kleine individuelle Varianten und Raffinessen.

 

 

These: Wir empfinden musikalische Performance als gut, angenehm, anregend, gelungen, wenn die Musik sowohl aus vertrauten als auch aus neuen Kombinationen besteht.

 

 

Verschiedene Lagen musikalischen Gedächtnisses

1.    Das musikalische Gedächtnis einer Kulturgruppe, das sich in einer Tradition äußert (ethnische Musik, Klassik, Jazz- oder Poptradition).

 

2.    Das musikalische Gedächtnis des schaffenden Komponisten, das sich in einem Verarbeitungsprozess von Traditionen äußert - sei es eine Verarbeitung zu etwas ‚Neuem‘ oder innerhalb der vertrauten Regeln. 

 

3.    Das Gedächtnis des Improvisators, der vor Ort auf der Grundlage von Skizzen und Kernideen seine musikalischen Erinnerungen als Quelle für seine Ausführung verwendet, inspiriert durch seine Musikkollegen.

 

4.    Das Gedächtnis eines Sampling-Computers der a) verwendet, was zuvor auf seiner Festplatte gespeichert wurde und b) Material verarbeitet, das zuvor am selben Konzertabend gespielt wurde.

 

5.    Schließlich spielt das musikalische Gedächtnis des Hörers eine Rolle, in dem sich die Klänge widerspiegeln und in verschiedenem Maße eine Resonanz schaffen. 

 

 

 

Biographien

 

Stevko Busch (piano) 

 

Der deutsche, in den Niederlanden lebende Pianist, (Film)Komponist und Organisator Stevko Busch (1966) hat mit der Galerie der Töne eine Plattform geschaffen, die seit seiner Konzertserie “Pianolab” im Amsterdammer Goethe Institut (2006-2012) regelmäßig seine eigenen wie auch die Projekte seiner Kollegen vorstellt. Sein Quartett FUGARA gab in diesem Rahmen sein Debut, bevor es auf vielen Festivals Erfolge feierte, und auch das hier vorgestellte InnerTimeSpaces entstand auf diesem Nährboden.

 

Nach der Inspiration durch seinen Lehrer Misha Mengelberg entwickelte sich Stevko´s Musik vom avandgardistischen Jazz und freier Musik hin zu der Einfachheit und Schönheit traditioneller Lieder, Weltmusik und ritueller Musik.  Mit den hieraus hervorgehenden musikalischen Mitteln und Spielweisen aus den verschiedensten Teilen der Welt improvisiert er aus der Stille heraus, in der Regel auf dem Flügel, seit Sommer 2013 auch wieder auf dem e-Piano.

 

Als Musiker wie auch als Organisator liegt seine Kraft vor allem darin, seine Mitmusiker und Kollegen glänzen zu lassen. Er spielte in jüngster Zeit vor allem mit Markus Stockhausen, Markku Ounaskari, Tom Arthurs, Jan Bang, Samuel Rohrer, Jorge Pardo und Dinesh Mishra und war mit FUGARA und seinem Duo mit dem Saxophonisten Paul van Kemenade u.a. auf Festivals in Russland, Berlin, Moers, Salzburg, North Sea Jazz und Jazz Au Chellah (Rabat,Moroc) zu Gast. 

 

Seine Tochter Maya erinnert ihn seit ihrer Geburt 2006 an die wichtigen und schönen Dinge im Leben.

stevko.eu

 

Keiko Shichijo (piano)

 

Die Pianistin und Fortepianistin Keiko Shichijo ist eine außergewöhnliche Stimme in sowohl klassischer als auch zeitgenössischer Musik. Ihre traditionell japanische Sensibilität und ihre Kenntnis der historischen europäischen Aufführungspraxis formen ihre einzigartige Interpretationsweise, die sich in ihrem Einfühlungsvermögen in die Musik, in die Instrumente und in die Geschichten dahinter spiegelt.

 

Shichijo ist in Japan aufgewachsen und lebt seit mehr als 10 Jahren in Amsterdam. Sie gewann viele internationale Preise, darunter zweimal die Early Music Competition (solo und duo) in Brügge, Belgien, die International Early Music Competition "A Tre" in Trossingen, sowie den Minkoff Prize des Musikverlags Edition Minkoff. 

 

In jüngster Zeit konzertierte sie auf den Festivals Printemps Des Arts (Frankreich), Utrecht Oude Muziek Festival (Holland), MA Festival und Midis-Minimes (Belgien), spielte ein Mozart piano concerto mit dem  Stradivaria orchestra, eine historisch authentische Aufführung von Schönberg’s Pierrot Lunaire sowie ein Satie-programm im Concertgebouw Amsterdam mit Mezzosopran Antje Lohse. Tourneen durch Indien und Japan stehen regelmäßig auf dem Programm.  

 

Im Jahr 2012 veröffentlichte das Hamamatsu Museum of Musical Instruments in Japan Keiko´s Fortepiano solo Album mit Schubertwerken.

 

Keiko Shichijo hat mit zahlreichen Komponisten gearbeitet , darunter Frank Nuyts, Frederick Rzewski, Tom Johnson, Lucio Garau und Anne La Berge. Sie ist die Solistin des allerersten Concerto für iPad und Orchester von Ned McGowan, das 2012 mit der Rotterdam Sinfonia in Première ging.

 

Das Instrument brachte unter ihren Händen eine Reinheit der Klänge hervor, wirklich atemberaubend. ‘So muss Mozart es selbst gespielt haben’ durchfuhr es mich. Ihre ganze Erscheinung atmet Klarheit, wie auch die Intensität ihrer Mimik während des Spielens. (anonym aus dem Publikum)

keikoshichijo.com

 

 

Dante Boon - solo piano

 

(GB) Dutch pianist and composer Dante Boon (b. 1973) has been playing and composing new music from an early age.
He worked with, among others, Tom Johnson, Samuel Vriezen, Rozalie Hirs, Antoine Beuger, Ju?rg Frey and James Fulkerson on recording projects and first concert performances.

With Samuel Vriezen, he recorded Tom Johnson's 'Symmetries' for piano four hands. A solo CD, "cage.frey.vriezen.feldman.ayres.johnson manion" appeared in 2010 at Edition Wandelweiser Records to international critical acclaim.

In the making are CD's with recordings of two of Boon's vocal compositions by German soprano Irene Kurka, Feldman's For John Cage with American violinist Andrew McIntosh and a second solo CD with piano works of Antoine Beuger, Taylan Susam and himself.

As a concert pianist, Dante Boon has appeared at many concert venues and festivals across Europe and the USA.
Boon's compositions are published by Edition Wandelweiser. 

 

 

Tom Arthurs (trumpet) 

 

Als eines der glänzendsten und vielseitigsten europäischen Talente ist der Trompeter, Komponist und Improvisator Tom Arthurs (1980) international aktiv im Jazz und in der freien Musik und bekannt für seinen glühenden Sound und seine unerschöpfliche Kreativität. Er ist auf Veröffentlichungen von ECM, ACT, Intakt, Unit Babel und Creative Sources zu hören, komponierte für Streichquartett und das BBC Concert Orchestra, und spielte live und im Studio mit namhaften Musikern von John Taylor bis Phil Minton, Eddie Prévost bis Jan Bang und Julia Hülsmann bis Ingrid Laubrock.

tomarthurs.co.uk

 

 

Vahe Hovesian (duduk)

 

Vahé spielt die armenische Duduk, Shvi und die moderne Klarinette. Er studierte in Armenien und den Niederlanden und unterrichtet und spielt als klassischer Musiker. Als vielseitiger und experimentierfreudiger Bläser adaptiert er die unterschiedlichsten Stile. Vahé ist ein anerkannter Spezialist für Improvisation in Stilen des Balkan, der Türkei, Aserbaidschan, Armenien sowie zeitgenössischen westlichen Techniken. Damit ist er wie nur Wenige in der Lage , einen vorgegebenen Stil in seiner reinsten Form zu rekonstruieren.

Er spielt mit Musikern aus Bulgarien, der Türkei, Indien, Nord und Westafrika, Serbien, Schottland, Irland, Frankreich, Spanien, Russland und Armenien.

vahe-duduk.nl/

 

Christian Thomé (drums)

 

Christian Thomé (*1970), lebt in Köln, arbeitet als Schlagzeuger, Komponist, Arrangeur, Produzent und Pädagoge. Er gehört zu den wenigen Schlagzeugern, die eine eigene Sprache gefunden haben. Sein originäres und klangfarbenreiches Schlagzeugspiel ermöglicht ihm den seltenen Spagat, sich in ganz unterschiedlichen Musikstilen zu profilieren. Seine Projekte erstrecken sich von zeitgenössischem Jazz über Weltmusik, experimentelle Elektronik und Popmusik bis hin zur Klassik.

 

Aktuelle eigene Bands sind sein elektro-akustisches Trio "Radio Köber", ein Kollektiv namens "Arnie Bolden" sowie ein neues Solo-Programm, als Sideman spielt er bei "Lühning", "Alony", "Niobe", mit Markus Stockhausen um nur einige zu nennen. Spielte u.a. mit Lee Konitz, Evan Parker, Peter Kowald, Michael Moore, Michel Godard, Achim Kaufmann, Guillaume Orti, Matthias Schubert, Rudi Mahall, Dhafer Youssef und Moritz Eggert.

 

"[...] Feinsinnig begleitet von Christian Thomé, geradezu ein Genie im Einsatz filigraner, oft elektronisch veredelter Klangtupfer." (Sven Thielmann, WAZ, 26.01.2010)

 

 

Isambard Khroustaliov (electronics)

 

Isambard Khroustaliov ist das Alias des Komponisten und Live-elektronikers Sam Britton, der auf verschiedenen Independent Labels in Großbritannien und den USA veröffentlicht wurde (Output Recordings, Temporary Residence, Domino and The Leaf Label). Er spielt solo und mit seinen Gruppen Icarus, Fiium Shaarrk und Leverton Fo, sowie mit Improvisatoren und Ensembles der Neuen Musik - unter anderem auf dem North Sea Jazzfestival. 

 

2006 absolvierte er ein Studium für Elektronische Musik und Komposition an der Pariser IRCAM, und 2011 erhielt er einen Auftrag der London Sinfonietta für deren Projekt Writing the Future. Er ist mit The New Radiophonic Workshop verbunden, und forscht zur Zeit unter Richard Barrett, Peter Wiegold und Christopher Fox an der Brunel University

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