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2012
“The Story of Professor Unrat”
Köppen – Jörgensmann – reunited
Sunday 25 March 2012 Goethe Institute, Amsterdam


 

Bernd Köppen – piano

Theo Jörgensmann – clarinet

 

Theo Jörgensmann und Bernd Köppen waren von 1984 bis 1999 als exponiertes Duo fester Bestandteil der internationalen Jazzszene.

In diesem Zeitraum standen sie bei Konzerten, Festivals und Rundfunkaufnahmen sowohl als Duo, als auch als Co-Leader internationaler Ensembles erfolgreich und stilprägend für den von ihnen entwickelten “European Way”, einer gelungenen Verbindung europäischer Kammermusik mit zeitgenössischem Jazz.

 

Im Januar 1986 spielten sie live in der Wuppertaler Immanuelskirche ihre Duo-LP “Für den letzten Gast” ein. Niemand Geringerer als Jazzpabst Joachim Ernst Behrendt bescheinigte den beiden Musikern für diese Veröffentlichung “togetherness” und prägte damit einen vollkommen neuen Begriff für das traumwandlerisch sichere und kongeniale Zusammenspiel dieses Duos.

 

Im Februar 2011 konzertierten sie nach 12 jähriger “Abstinenz” zum ersten Mal wieder zusammen, anlässlich eines der Jubiläumskonzerte zum 15 jährigen Bestehen der von Köppen initiierten Konzertreihe unERHÖRT und konnten nicht nur dort anknüpfen wo sie 1999 aufhörten, sondern auch noch die in den Jahren getrennt erworbenen Erfahrungen in ihr erneutes Zusammenspiel integrieren.

 

Im September 2011 erschien unter dem Titel “The Story of Professor Unrat” ein Mitschnitt dieses Konzerts auf CD. In den Liner Notes des Albums schreibt Dr. Ulrich Kurth, langjähriger Jazz-Redakteur des Westdeutschen Rundfunks (WDR) unter anderem:

“Anders als der beschädigte Professor können sich Jörgensmann und Köppen auf ihre Intuition verlassen und folgen in ihrem Handwerk keinerlei Fremdbestimmung. Dazu gehört, dass sie ihre konzentriert vorgetragenen ersten Ideen zu formalen Strukturen weiterentwickeln und deshalb in ihrem überschaubar gewählten Zeitrahmen eine dramaturgische Geschlossenheit der Stücke erreichen.

 

Ihre Stücke vermessen immer wieder andere musikalische Klangräume, die sie spontan entstehen lassen und nicht vorher verabredet oder notiert haben. Das kann eine kammermusikalische Fantasie mit einem jazzverwandten Gestus einer Standard-Einleitung sein oder ein balladeskes Fragment, das an “Fables of Faubus” von Charles Mingus erinnert. In solchen Modellen erschöpft sich ihr Zusammenspiel allerdings nicht. Sie geben nur eine Orientierung an, die im Spielprozess auch überwunden werden kann, wobei die Option, auf sie zurückzugreifen, stets offen bleibt. Ihr kammermusikalisches Spiel lebt nicht nur von Jazzanleihen, sondern genauso von Neuer Musik des 20. Jahrhunderts.

 

Das Konzert war das erste der beiden Musiker nach einer Pause von 12 Jahren. Ihre gegenseitige Inspiration haben sie nicht eingebüßt und können sie auch für ihre Ergebnisse der getrennten Entwicklungen und (neuen?) Möglichkeiten öffnen. Vergleicht man die CD mit ihrer vor 25 Jahren erschienenen LP “Für den letzten Gast” – ebenfalls eine Konzertaufnahme -, erfährt man etwas über die Entwicklung der improvisierten europäischen Musik vom Free Jazz als Gesinnung zu einem eigenständigen künstlerischen Genre.”